27 November 2003 - Puerto San Julian, Argentinien

Hallo Freunde

Leider bin ich heute zu mude um all die Mails personlich zu beantworten. Doch vielleicht werdet ihr mich verstehen, wenn ihr die unteren Zeilen lesen werdet. Die letzten Tage waen alles andere als leicht...

Text? Die letzten Tage habe ich des oftern den Sinn meiner Reise hinterfragt! Von Comodoro bis hier her hatte ich 360km zuruckzulegen. Der erste Tag ging toll, doch dann fing er an - der Wind. Und naturlich kam er aus dem Suden. Und wie er kam! Ich schlich mit 10km/h uber die Strasse und weder links noch rechts der Strasse hatte es menschliche Spuren. Kein Haus weit und breit. So hielt ich bei den einzigen Estancias an, die sich auf dem Weg befanden und wurde herzlichst aufgenommen.

Bei der ersten blieb ich einen Tag und verbrachte den ganzen Tag in der Kuche, wo ich mit dem Ehepaar sprach, die diese Estancia bewirtschaften. 12Kinder Text? haben sie gross gebracht und alle mussten auf dem Bauernhof mithelfen, so dass die Familie genug zu Essen hatte. Damals lebten sie weiter im Norden, arbeiteten auf einem Milchbetrieb und schufteten von 1Uhr nachts bis 21Uhr abends. Heute leben die Eltern hier in Patagonien, der Vater verdient 80CHF por Monat und die Kinder sind alle ausgeflogen. Die 18jahrige Tochter ist das zweite Mal schwanger. Von den Kindern, die heute auch schon 37jahrig sind und im Norden Argentiniens leben, haben sie seit mehr als sechs Jahren nichts mehr gehort! Telefon haben sie nicht und die Post kommt auch nicht an...

Am nachsten Tag suchte ich unterschlupf auf der Nachbarsestancia, 40km weiter sudlich. Ich wurde wieder herzlich aufgenommen, mir wurde ein Nachtessen Text? gekocht und am nachsten Tag gingen wir zusammen Holz sammeln. Ich verdiente mir so meine Mahlzeiten und mein gratis Bett. Als Belohnung fuhren wir am Nachmittag mit dem Auto zum nahe gelegenen versteinerten Wald. Es war eindrucklich zu sehen, was vor Millionen von Jahren fur Baume in dieser Region standen. Stamme mit 2m Durchmesser. Als wir dann zum Auto kammen, war leider das eine Rad platt und wir mussten es flicken. Beim Aufpumpen ging auch noch bei einem zweiten Rad die Luft raus, welches wir auch flicken mussten. Auf der Heimfahrt machte noch ein drittes Rad schlapp. Und am nachsten Morgen stand das Auto mit zwei weiteren platten Radern vor der Ture...

Was im Anschluss an diese beiden Estanciatage folgte, war einfach die Holle. Wind, Wind, Wind, und immer aus dem Suden! Es regnete und da es verdammt kalt war, begann es sogar noch zu schneien. Ich suchte in einer Wasserrohre unter der Strasse Schutz, doch dort zog der Wind durch, so dass kein Bleiben war. So schwang ich mich wieder auf mein Velo, strampelte gegen den Wind und hatte wenigstens am Korper etwas warm.

Da die Estancias hier in dieser Gegend verdammt selten sind, musste ich gestern 100km zurucklegen, um von meinem Nachtlager aus das nachste Haus zu erreichen. Text? 100km gegen den Wind - ich war genau 7h58min auf dem Velo und als ich bei der Estancia ankam, war das hintere Rad platt. Doch auch hier lud mich Mario, der Estanciero, zu einem Z'nacht und einem warmen Tee ein, wies mir ein Zimmer zu und ich konnte mich prachtig ausruhen! Doch den Tag spurte ich kraftig in den Knochen und hoffe, das dies der harteste aller Tage auf meiner ganzen Reise war - sonst...!?!

Das ist es also, das Leben, welches ich mir ausgesucht habe. Es ist hart, doch die Ankunfte sind danach immer besonders schon. Morgen gehts weiter und dann bin ich schon bald am Ziel! In Ushuaia

Euch zu Hause wunsche ich alles Gute und bin gespannt wieder etwas von der einten oder dem andern zu horen. Und wenn ich dann nicht mehr so strenge Tage hinter mir habe, dann werde ich auch wieder personlicher. Ich verspreche es!

Grusse aus dem windigen und kalten Patagonien

Chrigu
Puerto San Julian, Argentina