5 Juli 2004 - San Pedro de Atacama, Chile

Hallo Freunde

Endlich melde ich mich wieder zu Wort. Ich bin nicht wie angenommen in Bolivien, sondern in Chile, in San Pedro de Atacama. Von hier werde ich in einigen Tagen nach Bolivien aufbrechen. Wo ich 1999 mit einem 4x4 Jeep durchgefahren bin, versuche ich nun mit Rulo durchzuradeln. Durch die Suedzone des Salar de Uyuni, ueber den Salar selber und dann nach Uyuni. Doch ob es ganz gelingen wird ist hoechst fraglich.

Text? Seit Salta reise ich mit den beiden Spaniern Josetxu und Juli zusammen. Es faellt mir nicht immer leicht mich an den Rhytmus zweier Reisender anzupassen. So trennten wir uns nach drei Fahrtagen schon wieder um uns drei Tage spaeter in Susques wieder zu treffen. Ich wollte einen anden Weg fahren als sie.

Text? Nach Salta erreichten wir Jujuy, die noerdlichste Provinz Argentiniens. Fuer mich gehoert diese Provinz schon zu Bolivien. Cholitas, die neben ihren Lehmhaeusern am weben sind, schmutzige Kinder, die Lamaherden hueten und eisige Altiplanonaechte erinnern mich sehr an Bolivien.

Text? Jujuy liegt auf 1200muM. Von da gings hoch zum Paso Jama auf 4200muM. Ich fuhr durch farbigste Taeler, ueber mehr als 4000 Meter hohe Paesse und vorbei an Salzlagunen. Als ich mich in Susques wieder mit den Espas traf folgten zwei Tage fahrt zur Grenzstation auf 4050m. Es war kalt, sehr kalt. Dass mir in der Nacht das Wasser einfriehrt, wundert mich schon gar nicht mehr. Doch dass es sogar am Tag bei Sonnenschein gefriehrt, das ist doch dann schon etwas zu viel! Alles frohr ein - die Zehen am Fuss, die Finger an der Hand (trotz zwei Paar Handschuhen), der Spitz an der Nase, das Oel in der Flasche, die Zahnpasta in der Tube, das Mark im Apfel, der Saft in der Mandarine...

Bei der Grenzstation am Paso Jama angekommen, konnten wir im Haus der Grenzwaechter schlafen. Als wir am Morgen aufwachten war es noch komisch dunkel. Ein Blick nach draussen klaerte uns auf - es schneite! Wegen des Schnees wurde der Pass geschlossen. Wir blieben zwei Tage blockiert. Sieben Lastwagenfahrer und wir drei Velofahrer bildeten eine Leidensgruppe. In zwei grossen Pfannen kochten wir was wir zusammen kriegten. Niemand hatte natuerlich gerechnet, dass wir Proviant fuer eine so lange Zeit benoetigten. Am zweiten Tag kauften wir in einer nahen Lehmhuette etwas Lamafleisch, womit wir das Essen streckten. Zum Glueck herrschte unter uns eine tolle Stimmung. Es wurden ununterbrochen Witze erzaehlt und Karten gespielt. Haetten wir laenger ausharren muessen, es waere prekaer geworden. Das Essen ging aus, das Toilettenpapier zu Ende und ich hatte die vorhandenen Buecher gelesen...

Mein in Susques gekaufter Proviant spendete ich dem Allgemeinwohl. Proviant, den ich fuer die naechsten zwei Tage Fahrt nach San Pedro benoetigt haette. So traf ich einen Entscheid, den ich eigentlich bis Ecuador nicht treffen wollte. Heute Morgen, als um 7Uhr der Pass oeffnete, lud ich meinen Ruol (die Espas ihre Velos) auf einen Lastwagen eines Kollegen Leidensgenossen Lastwagenfahrer und liess mich hier nach San Pedro chauffieren. Es waren wohl die haertesten 155km meiner ganzen Reise!!! Eingeschlossen in der Fuehrerkabiene flitzte die Landschaft an mir vorbei. Ich hatte eine riesige Leere im Bauch und ueberlegte mir, ob ich in San Pedro Proviant kaufen soll und mich gleich am Abend zurueck zum Paso Jama chauffieren lassen soll, um diese Kilometer noch selber fahren zu koennen. Doch ich werde es sein lassen. Es hat nicht sollen sein...

Der Schnee und die Kaelte sind der Grund, warum unser Unterfangen in der Suedzone des Salar de Uyuni scheitern koennte. Auf ueber 4000 Meter liegt Schnee und in der Nacht kann es gut und gerne minus 20Grad werden. Da wird das morgendliche Aufstehen zur Qual.

Gruss Chrigu
San Pedro de Atacama, Chile