16 Juli 2004 - Uyuni, Bolivien

Hallo Freunde

Vor etwas mehr als einer Woche verliess ich San Pedro de Atacama und machte mich auf nach Bolivien. Juli und Josetxu, meine beiden spanischen Begleiter, wollten noch ein paar Tgae laenger bleiben und so entschloss ich mich, alleine weiter zu ziehen. Einen Entscheid, den ich heute ueberhaupt nicht bereue.

In neun Tagen fuhr ich an fuenf Doerfchen vorbei. Begegnungen mit Leuten waren selten. Gab es sie, so waren es meisten vorbeifahrende Jeeps mit eingepferchten Touristen. Ihren Augen nicht trauend starrten sie mich durch die Autoscheiben hindurch an und fragten sich wohl, was ein Fahrradfahrer in dieser Wueste zu suchen hat. Doch ich genoss es da draussen, konnte stoppen wann ich wollte und schlafen wo es mir gefiel.

Doch eine unvergessliche Begegnung gab es dennoch. Ich fuhr in Villa Candelaria ein. Das Dorf war wie ausgestorben, die Strassen waren leer. Nach langem Suchen traf ich Alberto, welcher mich zum Dorfsaal fuehrte. Heute sei die Einweihung der nahen Inkaruinen und darum ein Festtag fuer die Dorfbevoelkerung. Das ganze Dorf sass im Saal bei einem Mittagessen. So wurde auch mir ein Teller offeriert und waehrend ich ass wurde ich von unzaehligen bolivianischen Augen beobachtet. Dankend verliess ich den Saal und fuhr gestaerkt weiter.

Die Landschaft war atemberaubend. (Die Hoehe auch!) Da waere es schade gewesen, nicht im Zelt zu schlafen. Und so schlief ich, wo es mir gefiel.

Text? Am ersten Tag kam ich bei Thermen vorbei. Das Wasser war kochend heiss, die Luft klirrend kalt. Ich schlug mein Zelt direkt neben dem Wasser auf. Haette ich in der Nacht gefrohren, das heisse Wasser haette mich sofort wieder gewaermt. Doch so kalt wurde es nicht. Ich badete, bis ich die ersten Sterne sah und noch bevor ich das Z'morgewasser kochte, waermte ich mich wieder im Thermalwasser auf.

Text? Weiter ging es zu den Geysiren auf 4800m.ue.M. Waehrend die Erde kochte sorgte der Wind fuer eisige Temperaturen. Und dennoch liess ich es mir nicht nehmen da zu zelten. Zehn Meter rechts dampfte ein Geysier, fuenf Meter links blubberte die Erdmasse und vielleicht zwei Meter unter mit kochte die Erde. Doch genau das war mein Glueck. Die Erde unter meinem Zelt war warm und sorgte fuer eine Bodenheizung! Waehrend draussen das Wasser in den Flaschen gefrohr, lag ich in Shorts halb zugedeckt im Zelt und fand vor Hitze den Schlaf kaum.

Dann fuhr ich auf den Salar de Uyuni, den groessten Salzsee der Welt. 12'000km2 soll er gross sein. Stundenlang pedalte ich auf dieser weissen Platte, unter Rulos Raeder zerborsten die Salzkrusten und ein Freiheitsgefuehl sondergleichen stieg in mir hoch. Ich schloss die Augen und versuchte die Richtung zu halten. Eine Minute - es ging; zwei Minuten - ich kam vom Kurs ab und als ich den drei-Minuten-Versuch machte und um 180Grad die Richtung aenderte, gab ich meine Versuchsreihe auf!

Text? 12'000km2 Salz. Da musste ich eine Nacht verbringen. Und so schlug ich mein Zelt irgendwo dort draussen im weissen Nichts auf. Die Nacht war extrem kalt, doch es hat sich gelohnt. Ich kam mit vor wie unsere Vorfahren, als sie noch gaubten, die Erde sei eine Scheibe und der Himmel darueber eine Glocke. Ich sah Sterne bis hinunter zum Horizont und hoerte ausser meinem Herzschlag nichts..

Nun bin ich in Uyuni, Bolivien. Ich genoss eine warme Douche und ein erfrischendes Bier. Morgen schaue ich bei www.colquetours.com vorbei, einem Tourunternehmen, welches Tours durch den Salar und die von mir mit dem Fahrrad durchquerte Wueste anbietet. Die Chancen stehen gut, dass ich da eine Zeit lang als Touristenfuehrer arbeiten kann. So bleibe ich noch eine Weile in Bolivien und verschiebe meine Rueckkehr in die Schweiz auf ein ander Jahr...

Alles Liebe und gute! Vielen herzlichen Dank fuer all die erhaltenen Mails. Meine Freude ist gross!

Gruss Chrigu
Uyuni, Bolivia