15 Dezember 2004 - Arequipa, Peru

Hallo Freunde

Da kuendigte ich mich grossartig auf ARD an, schickte euch vor die Bildschirme und waehrend ihr vergebens die ARD Einschaltquoten in die Hoehe getrieben habt, lief ich auf RTL? In Holland wurde so ein Journalist umgebracht und die ARD Leute erachteten dies als wichtiger als der Chrigu auf dem Velo in Bolivien. Doch siehe da, sie sind sich reuig! Am 19.12.04 soll ich nun doch noch auf ARD erscheinen. Entweder erscheint der Beitrag um 19.10Uhr in Weltspiegel, oder um 23.00Uhr in Kulturreport, oder dann um 23.30Uhr in Weihnachtsmann gesucht; weiss ja nie, zu was mein Bart alles faehig ist....

Lange blieb ich in Bolivien! Es waren letztendlich fast fuenf Monate. Und so bekam ich ploetzlich Probleme mit meinem Visa. Schweizer erhalten in Bolivien nur eine 30taegige Aufenthaltsbewilligung. Als ich immer von Uyuni nach Chile ausgereist war, konnte ich mein Visa immer wieder erneuern. Doch in La Paz war meine Zeit abgelaufen und ich musste zur Einreisebehoerde. War das ein Gaudi! Ich wurde von Schalter zu Schalter geschickt, hier bekam ich eine Unterschrift, dort musste ich etwas kopieren, da etwas bezahlen, hier etwas fragen, bis sie mir nach einer Stunde den Pass abnahmen. Ich soll morgen wieder kommen....

So erschien ich am naechsten Tag wieder. Am einen Schalter las ein Baemter Zeitung, ein andere spielte mit seinem Handy rum, ein dritter hing am Telefon, zwei waren gleich daran sich zu verschlagen.... die Arbeitsmoral war also vorhanden. Doch mein Pass habe aufgrund der vielen Arbeit noch nicht bearbeitet werden koennen....

Voller Hoffnung nun endlich wieder an meinen Pass zu kommen lief ich am dritten Tag wieder ins Buero. Ich arbeitete mich die Schlange vor bis ans Schalterfenster, als die Frau gleich kurz verschwand und fuer die naechsten 20min nicht mehr gesehen wurde. Als sie wieder kam, schickte sie mich hoch kompetent zum naechsten Schalter. Da sah ich sogar mal wieder meinen Pass! Doch da ich so oft ein und ausgereis bin, mehr als die erlaubten 90 Tage als Tourist im Land verbrachte, wurde ich nach dem Motiv befragt. Die Luegengeschichte hatte ich mir auf dem Hinweg gut ausgedacht und trug sie wohl recht glaubwuerdig vor. Ich haette in Uyuni einen Goelogen kennen gelernt, ihn gefragt, ob ich ihn bei seiner Arbeit in den Minen begleiten koenne und sei so halt zwei Monate mit ihn geblieben. In San Pedro sei ich einmal mit einer schweizer Besucherin gewesen, einmal haetteich US Forscher zum Flughafen begleitet und und und. Ja wenn das so sei, meinte die Frau, sprach mit dem Chef und am naechsten Tag erhielt ich meinen Pass zurueck und mein Vias war fuer weitere 30 Tag verlaengert worden. Ganz speditiv, nicht!

Text? Von La Paz aus begab ich mich auf eine Fahrradtour. Ich fuhr hoch zum La Cumbre Pass, stolze 4700m soll dieser Hagel hoch sein! Dies ist der Anfang der beruehmt beruechtigten Strasse des Todes, die wohl weltweit gefaerlichste Strasse. Der Weg ist waghalsig in den Berg geschnitten, neben der Fahrbahr faellt es tief ins Tal runter. Innerhalb von 60km fuhr ich vom Pass runter auf etwa 1200m. War das eine herrliche Abfahrt! Ich fuhr weiter ins Tiefland. Die Vegetation wurde dichter, der Weg schlechter. Es folgen moerderische Steigungen, ruettelige Abfahrten und so traf ich immer wieder auf grosse Fluesse. Bruecken gibt es in dieser Gegend keine. Ich watete durch sicher zehn Fluesse, trug mein Rulo ans andere Flussufer, die Stroemung war oft stark und beim tiefsten Fluss reichte mir das Wasser bis zu den Hueften. Dies war fuer mein Rulo wohl etwa zu viel. Der hintere Kettenwechsel brach, an eine Weiterfahrt war nicht mehr zu denken und so wartete ich fast sechs Stunden, bis endlich das erste Auto vorbei kam, wo ich mitfahren konnte!

Ich fuhr durch das Goldgraebergebiet Boliviens. So gelangte ich eines Abends an ein Camp der Minenarbeiter. Ich setzte mich zu ihnen. Sie erzaehlten mir vom ihrer Arbeit in dem Minen und im Fluss und ich sah, wie sie ihre paar Gramm Gold wogen und verkauften. Das Gespraech nahm seinen Lauf, als wir ploetzlich auf die Religion zu sprechen kamen. Da erzaehlte mir Adelio von einem Artikel, der in einer russischen Zeitung erschienen sei. Die Russen haetten ein Loch ins Erdzentrum bohren wollen. Sie bohrten und bohrten, bis der Bohrer ploetzlich im Leeren drehte. Die Russen stoppten ihre Arbeit und hoerten genau hin. Da hoerten sie Menschenschrei. Schreckliche Schreie sollen es gewesen sein. Die Russen hatten die Hoelle angebohrt mit alle den verzweifelten Toten darin! So soll ich mich doch zu Gott bekehren, meinte Adelio, so dass mir nicht auch das gleiche wiederfahre.....

Text? Frueher als gelpant verliess ich La Paz und machte mich auf in richtung Peru. Ich fuhr am glitzernden Titicacasee entlang, schlief in Schulen, Kirchen, bei der Feuerwehr, in Gemeindehaeusern, in einem Restaurant oder wurde von wild fremden Leuten zu sich ins Haus eingeladen. Ich fuhr ueber den Abra de Tiroya (4700m), ueberquerte die Andenkordillere und war unterwegs in richtung Arequipa, als mir ploetzlich ein bekannter Geruch in die Nase stieg. Es war ein herrlicher Geruch, ein vertrauter Geruch, doch ich mochte mich nicht mehr an ihn erinnern. Da kam mir in den Sinn, wann ich diesen Geruch das letzte Mal roch. Es war in Valparaiso, und vor allem als ich das Meer ueberquerte. Es war das Meer! Ich roch das Meer! Ein Gefuehl, das sich nur auf dem Fahrrad erleben laesst. Ich war gluecklich.

Nun bin ich in Arequipa und bin bei meinem Freund Hugo untergekommen. Arequipa ist bekannt als die weisse Stadt. Alle Haeuser sind aus einem weissem Vulkangestein gebaut. Da es in dieser Gegend immer wieder zu verherenden Erdbeeben kommt, haben alle Haeuser nur ein Stockwerk, was der Stadt ein sehr einheitliches Bild verleiht. Eine Stadt, wo ich mich richtig wohl fuehle.

Hugo ist daran, sein eigenes Touristenunternehmen aufzbauen. Vor zehn Jahren lebte er in der Schweiz, spricht desshalb Deutsch und moechte somit vor allem mit deutschsprachigen Touristen arbeiten. Er gestaltete eine deutsche Internetseite www.suedamerikatour.com, die aber voller falschen Formulierungen ist. So fragte er mich, ob ich ihm bei der Gestalltung seines Internetauftrittes helfen koennte. Seit Montag sitze ich nun hier im Buero und korrigiere. Bis Weihnachten werde ich nun hier korrigieren, schreiben und arbeite wieder einmal als Buerogummi.

Auf www.suedamerikatour.com findet ihr in der oberen rechten Ecke einen Live Chat. Wenn ihr euch dort einloggt, dann koennen wir live zusammen chatten. Ich bin so etwa von 15Uhr MEZ bis 23Uhr MEZ vor dem Compi.

Bis dann und angenehme Weihnachtszeit

Gruss Chrigu
Arequipa, Peru