> Reiseberichte - Matthias Doering



> Bogota, 7 Juli 2005
> Manizales, 2 August 2005
> San Cristobal, 17 August 2005
> Caracas, 5 September 2005
> San Jose, 18 Oktober 2005



Liebe Freunde Bogota, 7 Juli 2005

Kaum habe ich das gestrige Mail geschrieben und ueber mein fehlendes Gepaeck geschrieben das vielleicht irgendwo in der Welt herumfliegt oder in einer Ecke in einem Flughafen vergessen ging - ist es in unsere "Israeliten-Herberge" (wir sind in einer Herberge, wo ausschliesslich Israelis sind.) geliefert worden und zwar alles! Chrigel meinte nur: "du haettest das Gepaeck auch in einen Sack stekcen koennen, statt jede Velotasche einzeln aufzugeben!" Nun es ist alles angekommen, das Velo habe ich zusammengeschraubt und ist startklar. (Daevu: Was fuer ein Velo hast du denn zugeschickt bekommen?!). Gestern habe ich die erste einfache Mahlzeit in einem Restaurant genossen - es gibt immer einen Saft (wahrscheinlich mit Leitungswasser), eine feine Suppe und einen Hauptgang mit Bohnen, Reis und ein Stueckchen Fleisch. Ich habe das Essen gut vertragen - da bin ich schon mal erleichtert.

So heute gehts los - mit dem Bus nach Pasto. Pasto liegt im Sueden von Kolumbien ca. 19 Busstunden von Bogota entfernt. Christian hat dort sein Velo deponiert und wir werden vorraussichtlich am Sonntag mit dem Velo losfahren. Ich werde von nun an weniger haeufig Gelegenheit haben an einem Computer die neuesten infos bekanntzugeben - doch freue ich mich auf die Entdeckungen auf dem Land. Bogota ist eine riesige Stadt, es hat viel Verkehr und auch viele arme Leute. Wir goennten uns am Abend ein Bierchen und berichteten ueber vergangene Zeiten und ueber unsere Weltanschauungen. Christian freute sich ueber die Schweizer Schokolade (und geniesst sie Tafelweise) und ueber die Buecher, die ich von seinen Eltern mitbrachte. Nach eineinhalb Jahren unterwegs wird ein Lesemuffel zur Leseratte. Ein Buch hat Christian schon verschlungen...

So - ich wuensche euch eine gute Zeit. Bis zum naechsten Mal und danke fuer das rege Interesse und die persoenlichen Mails!

lg

math

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Liebe Mitglieder des Columbien-Veloreiseberichts von Matthias Doering Manizales, 2 August 2005

Was soll so eine komplizierte Ueberschschrift? Nun - wer nicht ueber die Ueberschrift hinauskam, hat sich nicht wirklich dafuer interessiert und sich nicht die Muehe genommen etwas Zeit zu investieren, um Neues aus fernen Laendern zu erfahren...

Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, bedeutet als erstes sich viel Zeit zu nehmen. Unsere Tagesetappen schwanken von Tag zu Tag, die Steigungen und das Wetter sowie die Lust am Fahren sind auch sehr unterschiedlich. Meistens wissen wir nicht, wohin uns der naechste Tag bringt - doch gerade dies macht eine Veloreise unvergesslich...

Seit der Landung in Bogta am 5. Juli und der 20 stuendigen Busfahrt von Bogota in den Sueden Kolumnbiens nach Pasto, ist beinahe ein Monat vergangen ohne eine Nachricht. Ich hatte lange das Gefuel, es sei noch zu wenig geschehen, um darueber zu schreiben. Doch jetzt weiss ich fast nicht mehr wo anfangen!

Von Pasto aus fuhren wir nach Popayan. Am Anfang ueberforderte ich meine Koerper etwas - Christian ist sich das Fahren mit schwerbepackten Rad gewohnt - fuer mich war alles neu. Das Land, die Sprache, das vollbepackte Fahrrad und das Essen.

Mittags gehen wir meistens in ein Restaurant und essen ein Mittagsmenu - und da dies in Bogota keine Verdauungsprobleme verursachte, ging ich davon aus, dass das so weitergeht. Doch war das leider nicht so. Am dritten Velotag hatte ich mit der Verdauung zu tun und war etwas geschwaecht unterwegs. Dies wiederholte sich spaeter noch einmal, doch war es zum Glueck nie schwerwiegend und nach ein zwei Tagen vorbei... soviel zu dem. Von Popayan, einer schoenen Kolonialstadt, machten wir einen zehntaegigen Abstecher ueber die Cordiliera Central und besuchten in Isnos, San Augustin und San Andres Ueberreste vergangener Muisca-Kulturen. Viel ist nicht mehr zu sehen, da die alten Grabstaetten frueher gepluendert wurden. So sind grosse Skulpturen, die Graeber und einzelne Stuecke in den Museen uebrig geblieben. Spannend wars dennoch und ich fragte mich, ob die Leute in frueheren Kulturen nicht mehr wussten ueber das Leben und ueber die Natur als wir heute?!

Nach diesem Abstecher ueber verlassene Gebiete und einer schoenen Begegnung bei einer Familie, die uns, nachdem wir gekocht haben und das Zelt aufschlagen wollten, zu sich einlud und uns einen weiteren Tag als Gaeste umsorgte, ging die Reise weiter nach Cali.

In Cali wohnten wir bei einem Alex, den wir auf unserer Reise getroffen haben und uns zu sich einlud. Ich musste mein Visum verlaengern, da dies am 5. August ablaeuft und wir dann immer noch in Kolumbien sind. Dank Christians Spanischkenntnissen war dies in nur zwei Tagen moeglich! Ich habe zum ersten Mal erfahren, wie das ist, wenn du die Sprache nicht richtig kannst und von Amt zu Amt und dann auf die Bank und dann zum Kopieren von Pass und dann zum Passfoeteli machen etc... geschickt wirst. Wenn man niemanden kennt, der einem hilft, bist du nicht faehig, das selber zu regeln und nach 30 Tagen als Tourist ausser Landes... Wie geht das wohl, wenn man als Asylant ein Gesuch stellt?

In Cali waeren wir wahrscheinlich nicht vier Tage geblieben, wenn wir nicht wieder mal unsere Kleider haetten waschen muessen und das Visum nicht haetten verlaengern muessen. Cali war uns zu gross und zu unuebersichtlich. Doch gab es auch hier schoene Erlebnisse - wie das morgendliche Kaffeetrinken vor der Wohnung (Der Kaffee - Tinto, mit Panela und Zucker, ist in Kolumbien unuebertrefflich) oder das mitternaechtlich Fussballspiel in einer Quartierstrasse mit Anwohnern... Nach kurzer Zeit waren wir Teil dieses Quartierlebens.

Nun befinden wir uns in der Kaffeehauptstadt Manizales auf 1700 m. Wir haben seit Cali Kaffeeplantagen durchfahren und trinken taeglich feinen Kaffee. Kolumbien ist ein vielseitiges und fruchtbares Land. Hier wachsen all die feinen "tropischen" Fruechte, die oft zu Saeften verarbeitet werden. Da es auch ziemlich heiss wurde, genehmigten wir uns eine Abkuehlung bei einer Zuckerrohrbewaesserungsanlage (laengstes Wort in diesem Mail;-), die ploetzlich auftauchte oder in einem etwas trueberen Bach...

Die Arme und Beine sind schon etwas gebrauent... Ich wuensche einen schoenen Sommer und bis bald!

matthias

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Liebe Freunde und Mitglieder des Veloreiseberichts Kolumbien-Venezuela von Matthias Doering San Cristobal, 17 August 2005

Dass die Ueberschrift lange ist, gebe ich zu und hoffe, dass der folgende Text nicht so langfaedig sein wird, wie eben dieser Einstieg.

Schon eine geraume Zeit ists her, seit ich den letzten Bericht aus Manizales verfasst habe und einige Dinge ueber die Reise berichtet habe. Kaum hatte ich auf "send" gedrueckt, kamen mir noch Erlebnisse in den Sinn, die ich auch noch haette aufschreiben sollen - so wird es auch bei diesem Bericht sein. Vieles wird fehlen, einzelnes in knappen Worten umrissen und wenige Erlebnisse werden etwas ausfuehrlicher beschrieben sein.

In Manizales hatten wir uns erholt. Flanieren, in einer ueber 2150 m gelegenen Stadt, auf der Hauptachse, die auf der hoechsten Krete liegt, ein feines Kaffee im Restaurant Suiza, frische Broetchen mit Butter und Confi zum Fruehstueck. Bis wir loskamen - Postkarten mussten noch auf die Post, Geld beziehen - war es elf und auf uns wartete ein Pass auf 3700 m Hoehe. Auf mich wartete der hoechste Punkt, den ich je bisher befahren oder bewandert haben werde - doch der Aufstieg stand noch bevor. Kaum waren wir unterwegs, hatten wir auch wieder Hunger und mit Hungergefuehlen kommt man schlecht ueber eine solche Hoehe. Wir assen also zu Mittag und waren dann doch noch bereit fuer den Pass.

Nach vier Stunden Aufstieg kamen wir auf dem Alto de las Lettras, ziemlich erschoepft an. Beim Aufstieg regnete auch noch kurz und es wurde kalt. In einem etwas provisorisch wirkenden Restaurant - bei uns stuende hier ein schoenes Passrestaurant - tranken wir zum aufwaermen ein Kaffee. Wir kamen mit den Komandaten ins Gespraech und merkten bald, da es schon fuenf Uhr war und dass wir nicht mehr weiterkommen. Wir frageten fuer eine Schlafgelegenheit auf der Passhoehe Der Kommandant, Lesmes wies uns eine Schlafgelegenheit zu, bei Ihnen in einer Lagerhalle auf dem Pass, ohne jegliche Einrichtung. Wir uebernachteten also in einer Lagerhalle beim Militaer! Es ist jedoch ein Gebiet, das sehr ruhig ist. Wir erhielten wie die anderen zwanzig Soldaten ein Nachtessen und waren immer umgeben von den zwei Kommandaten. Spaeter wurde gemeinsam ferngesehen. Wieder einmal - schlechte Nachrichten in Kolumbien - doch wir erleben nichts von diesen Spannungen. Die Kolumbianer sind offen und herzlich. Diejenigen, die im Konflikt stehen - das Militaer und die verschiedenen Gruppen sind in der grossen Minderheit.

Am naechsten Morgen, nach einer froestelnden Nacht - wie haben wohl die Soldaten, schlecht ausgeruestet mit Wolldecke geschlafen - warteten wir auf die "vuelta de colombia", die um 10 oder 11 uhr die Passhoehe ankommen sollte. Einige Stunden verstrichen in der Kaelte, doch wollten wir uns dieses Erlebnis nicht entgehen lassen.

Schon bald sehnten wir uns nach dieser Kaelte. Nach der Abfahrt nach Honda, erlebten icheinen Temperaturunterschied wie noch nie zuvor. Mit Handschuhen und Jacke gut eingepackt fuhren wir los. Unten schwitzten wir in kurzen Hosen und kurzaermlig wie in einer Sauna. So war dann auch die Nacht - viel zu heiss zum Schlafen. Mein Schlafsack, das war ein Fehlkauf, ist einmal mehr viel zu dick fuer dieses Klima. Ich will mich jedoch nicht beklagen, hat er mich letzte Nacht doch gut gewaermt.

Die Fahrt ging weiter nach La Doradal, dahin wo Pablo Escobar seine Villa, zoologischer Garten und Dinosaurierpark hatte. Was heute zwoelf Jahre nach seinem Tod uebrig blieg, ist eine Ruinenstaette. Reichtum und Ruhm sind so schnell wieder weg! Ueber sein Leben gaebe es viel zu schreiben... Reichtum, Ehrlichkeit, Politik, Drogenhandel - um nur Stichworte zu nennen.

Die Fahrt ging weiter ueber Puerto Boyaca - wir wollten ueber eine Nebenstrasse nach Tunja. Als wir am naechsten Morgen losfuhren - auf einer geteerten, teilweise auf einer Schotterstrasse - merkten wir bald, dass heute Velowandern angesagt ist. Wir hatten es gemuetlich. Als wir nach gut zwei Stunden an einem Restaurant vorbeifuhren, rufen uns ein paar eine Art "Platzgen" spielen de Maenner zu wir sollten doch ein Bier mit ihnen trinken. Wir stiegen ab. Aus eins wurden drei und als wir eine dreiviertel Stunde wieder auf dem Velo sassen und ein kleiner Aufstieg kam, hoerte ich Chrigu: "weimer aech chli loufe..." Vor Lachen kam es fast so weit. Schon bald war es weniger heiter. Wir fuhren in ein Dorf und da war ein junger Mann, der uns anhielt. Er fragte uns einiges und kommunizierte dann per Funk - wir waren etwas perplex. Die autodefensa medellin - magdalena kontrollierte dieses Gebiet, wie er uns sagte. Wir kehrten um mit der Information, dass man schon seit gestern Abend, als wir auf diese Strasse einbogen, auf uns wartete. Das Biertrinken und Fragen stellen gehoerte also auch einer Kontrolle. Die Autodefensa haette uns passieren lassen, doch uns versichert, dass weiter Richtung Tunja die Guerillia das Gebiet kontrolliere und dass dies gefaehrlich werden koennte. Wenn der Stadt die Sicherheit nicht gewaehrleisten kann, dann muessen das private Gruppen uebernehmen, wie eben hier. Fuer mich war das Gefuehl auf "autonomen" Gebiet zu sein nicht so geheuer, obwohl wir wussten, dass uns hier nichts passieren koennte. Wir kehrten zur gleichen Finca zurueck und fragten, um eine weiter Nacht an.

Unsere Route fuehrte nun am Rio Magdalena entlang Richtung Brancabermeja. A m zweiten Tag nach unserer Begegung mit der Autodefensa fand eine weitere sonderbare Begegnung statt . Ploetzlich fuhr eine Polizeipatroullie mit etwa sieben Mann neben uns her. Fragen wurden uns gestellt, vom Beifahrer und von den Polizisten hinten auf dem Pick-up. So kam es, dass wir beim naechsten Restaurant zu einem Bier eingeladen wurden und plauderten. Nach zwei Bieren und einer halbstuendigen Pause war der Gwunder gestillt und die Polizei liess uns weiterfahren. Inzwischen war auch die drueckende Hitze vorbei und uns koennte man mit dem Wort "Biertrinker" abstempeln...

Nach weiteren Tagen erreichten wir am 10. August Bucaramanga. Christian, der schon oft bei der Feuerwehr untergekommen ist, schlug vor, dies auch in Bucaramanga so zu tun. Morgen ist sein Jahrestag der Reise - zwei Jahre ist er schon unterwegs und es sollen noch mehr werden... Fuer mich ein neuartiges Erlebnis, war es eine interesannte Sache. Wir haben uns zwar etwas wenig bei der Feuerwehr augehalten, da es noch einiges in der Stadt zu erledigen gab. Wir liessen uns einen duennen Schlafsack naehen, einen Schlauch musste ich, nach meinen unzaehligen Plattfuessen haben und Flickzeug.

Der 11. August war Chrigu gewidmet, doch haben wir die Torte, die ich ihm versprochen habe zu seinem Jubilaeum noch nicht verzehrt!

Nun befinden wir uns in Venezuela. Als wir von Bucaramanga aus einen weiteren Pass ueber 3000 m passierten - den "alto de picatchu" - traffen wir auf der Passhoehe drei Jungs. Wir berichteten und sie sagten, dass sie an ein Hochzeit nach San Cristobal gingen. Wir sagten, dass wir dort durchfahren werden und alles schien zu passen. Sie luden uns fuer Sonntag zur Hochzeit ihrer Cousine ein... So konnten wir nun ein kolumbianisch-venezolanisches Hochzeit erleben! Diese Familie, bei der wir nun untergekommen sind, behandelt uns wie alte Freunde... Es gab also zwei Ruhetage in San Cristobal und morgen Mittwoch gehts dann weiter in Richtung Merida.

Liebste Gruesse aus San Cristobal, Venezuela (wurde wieder etwas lange)

matthias

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Liebe Freunde Caracas, 5 September 2005

Seit dem letzten Bericht aus San Cristobal, Venezuela, sind schon wieder drei Wochen vergangen, die Lager und Achsen kreisten viele Umdrehungen und die Reifen legten weitere 1000 Kilometer zurueck.

Uns von San Cristobal zu loesen fiel uns nicht einfach. Wir wurden sehr gastfreundlich behandelt und genossen, nach einem riesigen Hochzeitsfest, bei dem (fast) alle tanzten - das lernen die Leute hier einfach - und interessanten Gespraechen, die Vorzuege der Sesshaften: Waschmaschine, Dusche, Kaffeetrinken, Internetbesuch etc... So kam es auch, dass wir, eher zufaellig, ein Baseballmatch sahen und den venezolanischen Nationalsport zum ersten Mal live miterleben konnten. Bis zum Schluss kannten wir dann auch die Spielregeln...

Die Fahrt fuehrte nach Merida. Dort hatten wir daran gedacht, den Pico Bolivar zu besteigen. Doch aus diesem Vorhaben auf die 5007 m zu wandern, wurde nichts - eine Bahn fuehrt nach oben und zum Wandern braucht es einen Guide und drei Tage Zeit, wurde uns gesagt. So tranken wir Kaffee und genossen ein gutes Stueck Torte anstatt uns in die Hoehe zu begeben...

Nach Merida fuhren wir zum letzten Mal ueber einen Pass und kamen danach in den Geunss einer Abfahrt durch verschiedene Vegatationszonen. Oben wieder mit Handschuhen, Winterjacke gut eingepackt, wurde bei jedem Zwischenhalt wieder etwas ausgezogen. Als wir ploetzlich im Dunst von Wolken, bei warmer Temperatur in kurzen Hosen und kurzaermlig auf dem Fahrrad sassen und in Barinitas ankamen...

Von Barinitas gelangten wir in das "flache Land", Llanos genannt. Fortan waren die Tage nicht allzu abwechslungsreich, warm und flach. Grosse fruchtbare Landflaechen stehen hier brach und werden nicht bewirtschaftet. Wir haben streckenweise sehr viel Verkehr gehabt und bald auch die Erklaerung dafuer gefunden. In Venezuela, dass sehr erdoelreich ist, kostet ein Liter Benzin ungefaer 6 Rappen! Wer soll da nicht Auto fahren?! Wasser im Laden kostet ca 15 mal mehr - verkehrte Welt?

Immer wieder wurden wir darauf hingewiesen aufzupassen und aufmerksam zu sein. Einmal hielt ein Auto vor uns an und ein Bauer sagte uns, dass wir hier nicht weiterfahren sollten. Er nehme uns auf dieser Strecke samt Raedern mit, meinte er. Wir fuhren dann doch mit dem Fahrrad, da immer wieder ein Auto vorbeifuhr, die Strecke also nicht unbefahren und ausgestorben schien und wir uns so kontrolliert fuehlten. Passiert ist uns zum Glueck nichts, doch hatten wir in Venezuela oft ein mulmigeres und unsicheres Gefuehl als in Kolumbien!

Nach einer schonen Fahrt durch den Nationalpark, Guapo, naeherten wir uns der Kueste. Es reichte uns jedoch nicht am 31. August die Kueste zu erreichen, doch wussten wir, dass wir am naechsten Tag frueh an der Kueste sein werden. Am 1. September erreichten wir, nach gerade 15 Kilometern Higuerote und waren somit zum ersten Mal an der Karibik. Fuer Christian war die Durchquerung von Sueden nach Norden geschafft! Vor dem "z'Moergele" stand ein Bad im warmen erfrischenden Meer auf dem Programm... Wie wir wussten, hielten wir uns unter einem Baum auf - Palmen hatte es uebrigens auch - doch war ich nach sieben Stunden am Schatten, die ich mit baden, schlafen und lesen verbachte, rot! Am Bauch und am Oberschenkel war ich rot, trotz unserer Angewoehnungszeit auf dem Velo. Wir fuhren vor der Karibikankunft einige Tage jeweils eine halbe Stunde "obenohne", damit wir nicht als Bleichmaeuse ankommen wuerden und vor allem, damit wir uns nicht verbrennen wuerden... mit maessigem Erfolg.

Nun sind wir in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela und einiges gibts oder gabs zu erledigen, wie so oft, wenn wir in einer Stadt sind. Zum Beispiel mussten wir eine groessere Pfanne kaufen, da heute, am 5. September, Christians Burder ankommen wird. Von nun an werden wir also zu dritt unterwegs sein... Die Weiterfahrt fuehrt groesstenteils an der Karibikkueste enltang!

Viele liebe Gruesse aus Caracas, Venezuela

Matthias

Uebrigens: Vielen Dank fuer alle Neuigkeiten aus der Schweiz, leider waren es nicht nur gute News! Wir sind hier an zwei Orten in Venezuela vorbeigekommen, die von Unwettern zerstoert wurden, in Santa Cruz de Mora und in La Guaira an der Kueste. Das ein Unwetter solche Kraft hat, Haeuser und Strassen einfach wegspuelt, hat uns beeindruckt und auch beschaeftigt.

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Liebe Kolumbien & Venezuela Veloreiseberichtleserinnen und Leser San Jose, 18 Oktober 2005

Schon lange ists her als ich zum letzten Mal geschrieben habe ? das letzte Mail war noch von Caracas (Venezuela) aus anfangs September und nun ist es Mitte Oktober! So wird es fuer mich nicht einfacher ein Abschlussmail zu verfassen... Es ist halt wieder sehr lange geworden - vielleicht kann ich mich auch schlecht kurz fassen!? (oe, ae und ue gibt es hier leider nicht auf der Tastatur!)

Die Weiterreise von Caracas

In Caracas stiess Christians Bruder, Stefan, zu uns. Von nun an ging die Reise zu dritt weiter und natuerlich belebter ? ausser beim Essen. Nach einigen Stunden Velofahren musste zuerst unser Hunger gestillt werden, bevor ein Gespraeche entstehen konnte. Doch noch zu Caracas: In Caracas bekam Christian seinen neuen Rahmen, da der alte seit dem Unfall zwar wieder geschweisst wurde, doch immer etwas verbogen blieb. Leider stellte sich bei der ersten Fahrt heraus, dass der neue Rahmen im Oberrohr einen Spalt hatte ? wir hofften zuerst noch auf einen Lackfehler, doch ein Fahrradhaendler belehrte uns eines besseren. Der ersetzte Rahmen war also schon von Anfang an defekt ? fuer Christian eine herbe Enttaeuschung - doch blieb nichts anderes uebrig als weiterzufahren.

In Caracas feierte ich meinen Geburtstag und wurde so reich beschenkt, wie schon seit Langem nicht mehr ? Briefe, Mails, elektronische Postkarten und Geschenke aus der Schweiz! Nochmals allen herzlichen Dank ? auch Stefan fuers Ueberbringen!

In Caracas hatte Christian sein altes Velo zerlegt und die Teile an sein ?neues? Velo montiert. Wir fuhren dann los nach Colonia Tovar, ein deutsches Kolonialstaedtchen, das etwas hoeher gelegen und vom Klima angenehm ist. Erstaunlicherweise ist der Baustil hier bei allen Haeusern gleich ? so strenge Bauvorschriften sieht man sonst nirgends in Venezuela - und das Staedtchen ist sehr gepflegt. Es reisen viele Venezolaner hierhin und besuchen das schmucke Staedtchen mit Brotladen, Biergarten u.s.w. Unser letzter grosser Aufstieg war hinter uns, waere da nicht Chorni gewesen - ein schoenes Doerfchen an der Karibik. In Choroni verbrachten wir einige Tage und spannten uns nach einer weiteren Fahrwoche aus.

Die Fahrt ging nun meistens entlang der Karibik weiter ueber Puerto Cabello, Coro ? wo wir die Halbinsel von Coro befahren haben und einmal so verregnet wurden, dass sich die Schotterstrassen in braune Baeche verwandelten und wir in Baechen die Raeder zu Fuss weiterbewegten. Auf der Halbinsel befindet sich nebst der groessten Oelraffinerie auch ein ueber 800 Meter hoher Berg, auf den wir einen Ausflug machten und von der Vegatation, die sich uns zeigte beeidrucktwaren. Auch die Rundsicht war phantastisch nachdem wir die Halbinsel befahren haben. Weiter ging die Fahrt ueber Maracaibo, wo wir uns auf eine lange Brueckenfahrt freuten. Wir wurden jedoch, als wir die Bruecke befahren wollten, von der Polizei zurueckgeholt und nach langem Warten von einem Lieferwagen ueber die Bruecke chauffiert. Die Grenze ueberquerten wir in Paraguachon(?) - auch hier gaebe es wieder ein Ereignis zu erzaehlen... 

Wir verlassen ein Land, das reich ist an Erdoel und vielen Bodenschaetzen, wie Eisen und Gold, flaechenmaessig riesig und auch sehr fruchtbar ist. Venezuela ist mit dessen Praesident, Hugo Chavez, in Aufbruchstimmung, das grosse Veraenderungen vor hat. Kooperativen werden gegruendet und den Leuten wird gezeigt wie man dies angehen kann, Bildung und die Universitaet soll allen zugaenglich sein, Kulturzentren werden gebauen, die auslaendischen Firmen, die den Reichtum des Landes abschroepfen, werden vertrieben. So wurde z.B. die Erdoelproduktion verstaatlicht. Die vielen guten Ideen stossen doch bei einem Grossteil der Leute, mit denen wir sprachen, auf Ablehnung.

Wieder in Kolumbien

Es war ein schoenes Gefuehl in ein Land zu kommen, das man schon kennt ? eine Art von Heimkehren. Gewisse Ausdruecke aenderten wieder, die Mittagsmenues waren wieder so, wie wir sie in Erinnerungen hatten und die Autos waren nicht mehr so grosse Schlitten aus den 70-ern und vor allem hatte es viel weniger Verkehr. Die Schreie aus den vorbeifahrenden Autos verwandelten sich wieder in ein Hupen oder einen Daumen, der aus dem Auto oder Lastwagen heraus nach oben schaute.

Die Grenzstadt, Maicao, war etwas vom haesslichsten was wir gesehen haben. So assen wir und fuhren weiter nach Riohacha, wo wir wieder einmal bei der Feuerwehr unterkamen ? ein Unterschlupf, wo Fahrradfahrer willkommen geheissen werden. In Venezuela waren die Feuerwehstationen noch voll mit Berufsfeuerwehrleuten und Freiwilligen, so waren hier fuenf Freiwillige fuer eine Grossstadt zustaendig - bleibt nur zu hoffen, dass es nie richtig brennt!

Im Gebiet von La Guajira fuhren wir an wunderschonen Orten an der Karibik vorbei. Mittagshalte wurden hier manchmal zu Uebernachtungsplaetzen... Einmal bekamen wir Fische geschenkt und lernten wie sie ausgenommen werden. Auch wie die Kokosnuesse von den Baeumen geholt werden, zeigte uns ein junger Karibe und setzte uns in grosses Erstaunen als er seine Schlarpen abstreifte und auf die Palme kletterte und und eine Kokosnuss herunterbrachte. Wir versuchten dies Nachzuahmen, doch blieben wir Erfolglos - ohne Kokosnuss aber auch ohne Beinbruch...

Im Gebiet von La Guajira leben noch indigene Voelker, die in den Bergen wohnen und nicht an dem gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Die Kinder gehen nicht zur Schule, die Menschen koennen nicht Lesen und den Umgang mit Geld kennen sie nicht. Mich hat dies ziemlich beeindruckt, als ich davon hoerte und ein paar dieser Leute entlang der Strasse sah.

Weiter fuhren wir nach Santa Marta und dort fuer zwei Naechte in ein kleines Hotel in einem touristischen Doerfchen am Meer. Von Santa Marta fuhren wir weiter nach Cienaga und Barranquilla. Nun ist unser Ziel Cartagena in unmittelbarer Naehe. Wir entschieden uns jedoch noch einmal an einen Strand zu fahren, an den Strand Playa Blanca auf der Insel Baru. Der Ausflug war ein Ereignis! Wir wurden von der Nacht ueberrascht, da die Strasse schlecht war, Plattfuesse zur Folge hatte und wir dann auch noch knietiefe Wasserlachen durchqueren mussten ? ich tauchte prompt noch kurz in eine ab ? das Meer war ja nicht weit ? und von nun an hatte ich eine Seite der Taschen auch innen schoen feucht... Wir kamen in der Nacht an und waren am naechsten Morgen von einem riesiegen weissen Strand ueberrascht! Zum Glueck waren wir nicht in der Hochsaison an diesem Strand, denn dann soll es unzaehlige Leute hier haben - 70 Faehren sollen taeglich ankommen... Wir genossen die Ruhe, das Meer, die bezaubernden Stimmungen... Leider erwischte ich zum Abschluss noch einmal einen Durchfall, der mich auf der Schlussetappe nach Caragena begleitete. Die Schlussetappe wurde dann auch nicht zur Champagnerfahrt - erstens fuhren wir viel zu spaet los - ich etwas geschwaecht - und zweitens wollten die Schlaeuche die Luft wieder rauslassen... so endete die Fahrt mit einem Abschnitt Lastwagen- und Pickupfahrt... die letzten Meter bis zur Unterkunft radelten wir natuerlich wieder... Nun galt es Cartagena, eine wunderschoene Stadt, zu besichtigen mit altem Stadtkern umgeben von maechtigen Stadtmauern.

Reisen...

Fuer mich war das die laengste bisher gemachte Reise mit dem ersten Flug. Nun bin ich schon fast zum Vielflieger geworden, denn eigentlich hatten wir geplant bis nach San Jose in Costa Rica zu radeln, doch flog ich nun von Cartagena (Kolumbien) nach San Jose (vielleicht werde ich ein anderes Mal diese Strecke mit dem Velo zuruecklegen?!). In San Jose verweilte ich zwei Tage und hatte genug Zeit zum Schreiben - merkt man, oder?.-) Heute, Dienstagabend, werde ich zurueckfliegen.... - Auf dieser Reise haben wir uns sehr viele Fragen gestellt. Immer wieder stiessen auf Dinge, die wir nicht kannten und oft stellten wir und in Gespraechen Fragen, die wir nicht beantworten konnten. Manche Fragen wurden auf dem Weg beantwortet, andere versuchten wir im Internet zu klaeren und noch viele blieben unbeantwortert. Christian hat mir auch gezeigt wie wertvoll es ist, wenn man mit den Leuten sprechen kann und so viele Dinge erfaehrt, die einem sonst vorenthalten bleiben. - Natuerlich bietet man, wenn man laengere Zeit so eng zusammen unterwegs ist, auch Reibungsflaeche und Zuendstoff, der zum Glueck nur sehr selten explodierte. - Das Reisen mit dem Fahrrad liess zwar nicht viel Zeit zum Lesen, da wir nach einem Tag reisen oft erschoepft waren, doch hat mich besonders Rousseau sehr beeidruckt (merci Waewu fuer die mitgebrachten Buecher). - Drei Monate moegen vielleicht lange erscheinen, doch wurde mir in dieser Zeit nie langweilig. Da man mit dem Fahrrad nur langsam vorwaerts kommt, sahen wir viel vom Landleben und hatten oft Kontakt mit Einheimischen. - Die Freiheit, die man mit dem Velo hat und einem jederzeit einen Halt zulaesst, um auszuruhen, die Landschaft anzuschauen oder mit Leuten in Kontakt zu treten bleibt Bus- und Autoreisenden verwehrt. Es gaebe hier noch viel aufzuzaehlen, welche Erfahrungen und Erkenntnisse ich bei dieser Reise machen konnte. - Natuerlich freue ich mich nun wieder darauf heimzukehren und mich an diese Zeit erinnern zu koennen. Ich freue mich auch darauf, wieder zu arbeiten, anzupacken, gebraucht zu werden... Ich hoffe, dass die Reise mehr bewirkte, als nur Zeit, die vergangen ist.

Zum Schluss moechte ich allen herzlich danken, die mir die Reise ueberhaupt ermoeglicht haben, mich in dieser Zeit in irgend einer Form vertreten haben oder die mich auf der Reise unterstuezt haben. Ich danke allen, die sich Zeit genommen habe ein Mail zu schrieben oder mich in Gedanken begleiteten...

Wer Interesse hat weiterhin Berichte aus dem fernen Suedamerika und bald aus Mittelamerika zu erhalten, kann ein Mail an Christian Staehli ( HYPERLINK "mailto:schneckentempo@bluemail.ch" mailto:schneckentempo@bluemail.ch) und so seine Reise weiterhin miterleben ? so weit dies mit Berichten moeglich ist... Merci Chrigu fuer die gmeinsami Zyt!

Liebe Gruesse und bis bald! Matthias Doering, San Jose, 18. Oktober 2005

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