20 November 2005 - Panama City, Panama
Hallo Freunde
Nach mehr als zwei Wochen weg von dem was wir Zivilisation bezeichnen, traf
ich am Donnerstag hier in Panama Stadt ein. Ich fand mit etwas Glueck und
viel Geduld ein Schiff, welches mich durch das San Blas Inselarchipel nach
Panama brachte. Mein Weg fuehrte mich vorbei an einer sagenhaften Landschaft
und hinein in die traditionelle Kultur des Kuna Yala Volkes. Ob ich wohl
durch das Paradies geschifft bin?
Erst aber fuhr ich von Cartagena nach Turbo. Nach drei Monaten in staendliger
Gesellschaft brauchte es aber erst eine innere Ueberwindung, um wieder alleine
loszuziehen. Doch kaum war ich einige Kilometer aus Cartagena raus, hatte
soeben erst den Laerm der Stadt hinter mir gelassen und sah mich wieder ganz
alleine auf einer dieser langen suedamerikanischen Strassen, kam es ploetzlich
wieder, dieses Gefuehl. Es war nicht Einsamkeit. Es war Freiheit! Wieder
ganz fuer mich alleine zu sein. Wieder raus aus dem Laerm der Stadt. Hinter
oder neben mir nicht noch andere Leute zu haben, nicht noch zwei weitere
Fahrraeder um mich herum zu wissen. Einfach alleine zu sein. Ich fuehlte,
wie wenn ich wie ein Vogel dahingleiten wuerde. Ich hatte vor diesem Moment
Angst gehabt. Was, wenn ich niemand mehr um mich herum haben werde? Was?
Das! Dass ich eben ganz gut mit mir alleine zurechtkomme.
Ich erreichte Turbo. Ich hatte mir erhofft, dass mich ein Schiff von Turbo
weg gleich direkt nach Panama schiffen koennte. So lief ich am Hafen entlang
und fragte auf den Schiffen nach. Leider soll es ein Verbot geben, welches
den Personentransport verbietet, so dass ich auf meiner Suche erfolglos blieb.
So lief ich dem Hafen entlang, als ich zwei Maenner sah, die so aussahen,
als ob auch sie auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit seien. Ich sprach
sie an. Es waren Cristian aus Chile und ein Cubaner. Bald gesellte sich auch
noch Johnny aus Peru zu uns. Alle hatten wir im Sinn nach Panama zu reisen.
Alle aus verschiedenen Gruenden. Cristian, ein Punk, war auf dem Weg nach
Mexico zu seinen Punkkollegen. Der Cubaner hielt es in Cuba nicht mehr aus
und will, wie auch Johnny, der Peruaner, in die USA, um dort Arbeit zu finden.
Das Geld lockt. Dann war da noch ich. Auf reisen. Einfach so.
Zwischen Panama und Kolumbien gibt es den Darien Gap, eine Sumpfzone, wo
bis heute die Panamericana nicht gebaut wurde. Es ist Guerillagebiet, huegelig,
mit viel Dschungel. Arbeiten sind geplant, doch blieben die Versuche bisher
in den Schubladen stecken.
Somit ist der Sueden Amerikas auf natuerliche Weise vom Norden getrennt.
Im Interesse der USA soll dies wohl auch so bleiben. So dient naemlich Panama
als erste deutliche Grenze fuer von Suedamerika kommende Einwanderer. Nach
Panama kommt man nur entweder per Flugzeug oder per Schiff. Da sind Kontrollen
einfach. Suedamerikaner muessen nun bei ihrer Einreise in Panama 1.000U$
Bargeld sowie ein gueltiges Rueckreiseticket in ihr Land vorweisen. Man will
die Suedamerikaner nicht im Norden haben.
Da war also Cristian. Er erbettelt sich seit Monaten sein Essen. Bei sich
hat er absolut nichts. Erdenklich, dass er also weder 1.000U$ noch ein gueltiges
Flugticket hat. Sein Plan: illegal ueber die Grenze.
Da war der Cubaner. Er haette zwar das Geld, doch ist er, seit er vor Wochen
in Venezuela angekommen ist, illegal unterwegs. Somit kann er nicht legal
aus Kolumbien ausreisen, weder legal in Panama ankommen. Sein Plan: illegal
ueber die Grenze.
Da war Johnny. Sein Plan: illegal ueber die Grenze. Er sei schon seit sechs
Monaten hier in Turbo. Legal nach Mittelamerika komme er nicht. So startete
er einen Versuch, die Grenze illegal durch den Dschungel zu ueberqueren.
Er liess sich so nahe wie moeglich an die panamensische Grenze schiffen.
Dort suchte er sich einen Fuehrer, der sich einverstanden zeigte, ihn bis
zum ersten panamensischen Dorf durch den Dschungel zu begleiten. Doch dieser
Fuehrer liess ihn ploetzlich stehen und haute ab. Alleine schlug sich Johnny
waehrend drei Tagen durch das Dickicht, bis er endlich auf einen Eingeborenen
traf, der ihn in sein Dorf schickte. Als er dort am Fluss auftauchte sah
er mehrere Maschienengewere auf sich gerichtet. Die panamensische Polizei
verteidigt scharf ihre Grenze. Ganz im Sinne der USA. Johnny wurde verhaftet
und waehrend zwei Wochen in den Knast gesteckt. Dort traf er sich mit an
die 15 Suedamerikaner, die alle auf ihrem illegalen Einreiseversuch erwischt
wurden. Die laengsten sassen schon mehr als drei Monate dort im Knast! Sie
alle wurden, als die Gefangenengruppe genug gross war, wieder nach Turbo
uebergefuehrt, wo sie nun einen neuen Anlauf planen....
....und da war ich, der vierte im Bund. Ich bin nicht Suedamerikaner. Ich
brauche kein Rueckflugticket und "nur" 500U$, um in Panama einreisen zu koennen.
Da ich ja den roten Pass zeigen kann, wurde letztendlich nicht einmal nach
meinem Geld gefragt! Als ich merkte, dass ich nur per Personenboot an die
panamensische Grenze komme, bezahlte ich die Fahrt und fuhr am naechten Morgen
weiter. Der Cubaner und Cristian kamen mich am Bootssteg verabschieden. Waehrend
ich ins Boot stieg, blieben sie am Steg zurueck. Ich fuhr los, mit dem Schweizerpass
im Sack, waehrend meine drei Kollegen wohl immer noch in Turbo sitzen
und auf ihr Glueck warten. Oder dann habe sie es mitlerweilen versucht und
sitzen anderswo: wahrscheinlich im Gefaengnis.
Das ist sie also, unsere liebe Weltordnung. Wer am richtigen Ort geboren
wird, dem stehen alle Tueren offen. Wer aber sonstwo das Licht der Welt erblickt,
der ist schon vom ersten Tag an vorbestraft. Wieso hatte ich das Glueck,
in der Schweiz geboren zu werden? Wieso kam ich nicht im bolivianischen Altiplano
zur Welt? Wieso muessen Menschen andere Menschen mit Regeln und Gesetze an
ihrem Glueck hindern? Ist ein Suedamerikaner ein schlechterer Mensch als
ein Schweizer? Wie ungerecht behandeln wir uns doch gegenseitig.
Nun, so landete ich also nach zwei Bootstagen in Puerto Obaldia, dem ersten
panamensischen Doerfchen. Mitten durchs Dorf zieht sich die Flugpiste. Strassenverbindung
gibt es keine.
Gluecklicherweise traf ich Jerome aus Belgien. Er wartete auf ein Flugzeug,
waehrend ich auf ein Schiff wartete. Er flog nach drei Tagen aus Puerto Obaldia
ab. Ich fand erst am sechsten Tag mein Schiff.
In Puerto Obaldia sind eben diese Polizisten stationiert, welche die Grenze
zu Kolumbien ueberwachen. An die 300 Mann sollen dort stationiert sein. Sie
kontrollieren alles. Wollte ich 500m ausserhalb des Doerfchens etwas ans Meer
sitzen, so musste ich vorgaengig bei der Polizei eine Bewilligung einholen.
Wollte ich beim Bootssteg im Meer baden, so musste dies die Polizei
bewilligen! Die Polizei kontrolliert alles. Ganz im Sinne der USA. Ein panamensischer
Polizist ist ja viel billiger als ein Yankee. Ist ja auch einfacher am Darien
Gap die Suedamerikaner abzufangen, als erst an der mexikanischen Grenze.
Und dass es ja schlechtere Menschen sind, die aus Suedamerika, das scheint
ja festzustehen.
Ich erreichte am 2.11. Puerto Obaldia. Am Tag darauf feiert Panama seine Unabhaengigkeit.
102 Jahre alt wurde das Land. Genau so alt wie der Panamakanal, den ja die
USA letztendlich baute. Was fuer einen Zufall, nicht?
Panama gehoerte bis da zu Kolumbien. Bogota widersetzte sich einem Bau des
Kanals, so dass die USA die Unabhaengigkeit als Loesung sahen. Sie halfen
Panama zur Unabhaengigkeit von Kolumbien, forderten aber im Gegenzug eine
Zone quer durchs Land fuer ihren Kanal, womit sich Panama gleich sofort wieder
in eine neue Abhaengigkeit begab. Eine Abhaengigkeit, die bis heute besteht.
Der Dollar gilt als offizielle panamensische Landeswaehrung. Die Flagge Panamas,
rot-blau-weiss-kariert mit Sternen - gleicht sie nicht ganz einer uns gut
bekannten Flagge....!?
So liefen die Polizisten am 3.11. durch die Strassen Pto Obaldias, sangen
die Nationalhymne, wo Worte wie Freiheit, Sieg und neues Vaterland gebraucht
werden, und merken nicht, dass sie als billige Sklaven der USA gebraucht
werden.
Es wurde oede in Puerto Obaldia sehr oede. Ich schlief, frass, las und schrieb.
Doch es war schrecklich langweilig. Erst als ich Ramon, den Chef des Schiffsverkehr
fuer diese Zone kennen lernte, nahm meine Schiffssuche einen erfolgreichen
Verlauf.
Als ich eines Nachmittags Ramon aufsuchte, fand ich ihn in der Dorfkantine.
Besoffen! Zwei Schiffe lagen am Steg und warteten auf eine Auslauferlaubnis,
die er haette ausstellen sollen. Er arbeite heute nicht, meinte er, auf alle
Faelle nicht gratis! Wer auslaufen wolle, der muesse zahlen! Er sei ja die
Autoritaet, die einzige hier im Dorf, was das Schiffswesen anbelangt, und
wenn er sage, dass ein Schiff nicht auslaeuft, dann liefe es eben auch nicht
aus! So sei das hier! Er griff wieder zur Flasche und versicherte mir, dass
er mich morgen los schicken werde. Mit ihm hatte ich einen Freunden fuers
Leben gefunden!
Dann ging es los. Waehrend sieben Tagen schaukelten wir durch das Inselarchipel
von San Blas. Es war wunderschoen. Zusammen mit sieben kolumbianischen Seemaennern
und ab und zu weiteren einheimischen Passagieren schaukelte ich auf dem kleinen
Cocosfrachter "Don Luis" der Kueste entlang. Wir durchfuhren die Gewaesser
der Comarca Kuna Yala. Die Kuna Yala ist ein Indianervolk, welches seinen
urspruenglichen Lebensstil noch groesstenteils bewahren konnte. Das Inselarchipel
umfasst mehr als 300 kleine Inselchen, wo von genau einer Palme bis zu mehreren
tausend Palmen alles zu sehen ist. Ich fuehlte mich oft, wie als ob ich das
Paradies gefunden haette. In an die 20 Doerfern hielten wir kurz an um Cocos
zu kaufen und Mehl, Zucker, Benzin und Getraenke zu verkaufen. Ich setzte
mich oft vorne an den Schiffsspitz und schaute den Delfinen zu, wie sie mit
uns schwammen und dabei die tollsten Akrobatikstuecke auffuehrten. Oder dann
setzte ich mich oben aufs Dach und genoss einen Rundblick ueber die Karibik,
wo ich nicht selten mehr als 30 kleine Inselchen aus dem Meer gucken sah.
Nur dass Essen war etwas oede. Staendig gag es Cocosreis mit Kochbananen
und frisch gefangenem Fisch. Spaetestens am vierten Tag, als es zum Z'morge,
zum Z'mittag und zum Z'nacht staendig das selbe gab, hing mir die Kost zum
Hals raus.
Eines Tages nahmen wir Manfredo, einen Passagier des Kuna Yala Volkes, mit.
Die Nacht verbrachten wir am Steg von Playon Chico, seiner Insel. So lud
mich Manfredo zu sich ins Hause ein.
Ein Haus, welches gaenzlich aus Aesten
und Blaetter gebaut ist. Es erinnerte mich an die Pfahlbauerhaeuser, die
wir in der Primarschule in den Geschichtsbuecher zu sehen bekommen. Um durch
den Eingang einzutreten, muss man sich buecken. Dass es den Rauch des Feuers
abzieht, ist das Haus in der Mitte enorm hoch gebaut. In der einen Ecke brannte
das Feuer. Daneben lagen Fische zum raeuchern. In der andern Ecke hingen
Kleider. Die Frau ruestete Kochbananan. Der Boden war aus Erde. Alles war
etwas feucht. Riechen tat es nach Rauch. In der Haengematte schlief ein Sohn.
Von draussen hoerte man Kinder schreien. Vorbeilaufende Leute riefen etwas
zu. Die Kerzenstummeln auf dem Tisch zeugten von der einzigen naechtlichen
Lichtquelle.
Mit mehr als 25 Jahren sei Manfredo das erste Mal in seinem Leben nach Panama
City geflogen. Er wusste nicht, was ein Auto, was ein Bus, was ein Hochhaus
ist. Als er die Busse sah, hatte er Angst. Den Laerm liess ihn nicht einschlafen.
Er war froh, als er nach Tagen wieder auf seine Insel konnte. Dort will er
nun auch bleiben und stellt weiterhin die Einbaeume her, mit denen die Leute
taeglich fischen gehen.
Mir kamen die Schilderungen von Manfredo genau so vor, wie es im Buch "Der
Papalagi" geschrieben steht. Es handelt von einem Suedseehaeuptling, der
als erwachsener Mann zum ersten Mal in eine Grossstadt geht. Aus seiner Sicht
gesehen beschreibt er seine Eindruecke. Er schreibt von Haeuserschluchten
und Scheinwelten, die wir Menschen uns da aufgebaut haetten. Wie gerne haette
ich dieses Buch doch waehrend dieser Schiffsfahrt gelesen. Ich las es damals,
als ich mit dem Frachter den Atlantik ueberquerte. Damals dachte ich nicht
im geringsten daran, dass meine Reise mich noch zu echten nach Papalagi-Art
lebenden Leuten fuehren wird.
Leider nimmt aber der staedtische Einfluss immer mehr auch Einfluss auf die
Inseln. Leute kaufen sich eigene Stromgeneratoren, machen die Nacht durch
Laerm um mit der gewonnenen Elektrizitaet ihren TV betreiben zu koennen.
So ballert, funkt und knallt es aus diesen niedlichen Schilfhuetten wenn
van Damme seinen Gegner verdonnert.
Die Frauen kleiden sich immer noch in ihren typischen Trachten. Farbenbraechtig
und fein genaeht. Auf der Brust und dem Ruecken tragen sie eine "mola", eine
A3 grosse Naeherei, wo Stoffe in verschiedenen Schichten uebereinander genaeht
werden, was letztendlich die tollsten Muster ergibt. Fast zwei Wochen stickt
eine Frau, bis sie ihre "mola" zu Ende hat.
Organisiert werden die Inseln von den "sahilas", den Haeuptlingen. Sie kleiden
sich in dunkeln Bundfaltenhosen, einem weissen oder hellblauen Hemd und einem
Sombrerohut. Sie befehlen, was auf der Insel geschieht. Jeden Abend versammeln
sich die "sahilas" im "congreso", der Dorfzentrums, einem riesigen aus Holz
gebauten Langhaus. Waehrend Stunden kommen nun die Leute zusammen, um ueber
Probleme im Dorf zu diskutieren. Oft sind es nur einige wenige. Doch einmal
die Woche ist es obligatorisch, so dass sich der "congreso" fuellt.
Alle Leute sitzen gegen die Mitte des "congresos" ausgerichtet. Dort sind
an zwei Querbalken Haengematten gespannt. Waehrend die Leute auf den unbgequemen
Holzbaenken sitzen und einige ihre Anliegen vortragen, liegen und doesen
die "sahilas" in den Haengematten, zuenden sich in regelmaessigen Abstaenden
eine Zigi an und faellen dann ihr Urteil.
Sind die Probleme besprochen, die Ordnung im Dorf hergestellt, so beginnen
die "sahilas" zu singen. Melodisch ist es nicht wirklich. Doch Manfredo redete
mit Begeisterung vom Gesang des "sahilas". Da die Kuna Yalas, die auf den
Insel lebende Bevoelkerungsgruppe, ihre eigene Sprache spricht, verstand
ich vom Gesungenen kein Wort.
Es war hoechst interessant in diese Kultur Einblick zu kriegen. Die San Blas
Inseln sind sonst nur fuer zahlungskraeftige Jacht- und Segeltouristen zugaenglich.
So sah ich ploetzlich vor einer dieser Inseln eine riesige Jacht vor Anker
liegen. Dahinter schwenkte unschuldig eine US-Flagge im Wind. Eine Jacht
einer Privatperson, die sicher mehr materiellen Wert hat, als auf einer dieser
Insel zusammen zu finden ist.
Obwohl es super interessant war, war ich dann doch sehr froh, als ich wieder
an Land konnte. In Miramar gelangten wir an Land, wo die Strasse begann und
Hermes und ich endlich wieder machen konnten, was wir wollten. Von der Willkuer
anderer Menschen abhaengig zu sein, nicht machen zu koennen, was ich eigentlich
will, faellt mir schwer. Ich habe mich daran gewohnt, selber zu entscheiden
und zu machen, was ich machen will.
So fuhr ich am ersten Tag unterwegs in Panama nach Portobelo. Es regnete,
wie es noch selten zuvor auf meiner Reise geregnet hat. Portobelo ist ein
unscheinbares Dorf an der Karibik mit einer unglaublichen Geschichte.
Hier in dieser Gegend entdeckten die Spanier im 16. Jahrhundert die schmalste
Stelle, um die mittelamerikanische Landbruecke zu ueberqueren und somit schnell
auf dem Seeweg nach Peru zu gelangen, wo all die Tonnen an Gold und Silber
des Inkareiches ausgeschifft werden mussten. Per Schiff wurde der ganze Reichtum
nach Panama Stadt geschifft, von wo Sklaven und Maultiere die Gold- und Silberbarren
vom Pazifik an den Atlantik brachten. In Portobelo wurde der Reichtum gelagert
um letztendlich nach Europa zu schiffen. Einen Drittel des weltweiten Goldes
soll hier in diesem Ort zwischengelagert worden sein!
Es regnete immer noch, als ich mich auf die Suche nach einem Nachtquertier
begab. Einmal mehr fand ich bei der Polizei ein Plaetzchen. Erst wurde mir
ein Bett im gemeinsamen Schlafsaal zugewiesen. Doch da dort all ihre Waffen
gelagert werden, wollte es der Chef nicht, dass ich dort die Nacht verbringe.
Somit war der einzige sonst noch moegliche und frei Platz die.... Gefaengniszelle!
Um es auch echt zu spielen, schloss ich ueber Nacht das Gittertor. Doch als
um 4Uhr morgens das Morgenbisi drueckte, offnete ich das Tor, spazierte raus
um mich anschliessend freiwillig wieder einzukerkern.
An diesem 16. November sah ich die Sonne ueber der Karibik aufgehen und schaute
zwoelf Stunden spaeter ihrem Untergang ueber dem Pazifik zu.....
Automatisch verbinden wir Panama mit seinem Kanal. Bis 1999 war er Eigentum
der USA, bevor er auf das neue Jahrtausend hin Panama uebergeben wurde. Ich
besuchte die Miraflores-Schleuse. Zwei Riesenschiffe, groesser als das Frachtschiff,
welches mich ueber den Atlantik brachte, kreuzten die Schleusen. Zwischen
Frachtschiff und Schleusenmauer sollen die beiden Schiffe noch ungefaehr
50cm Platz besessen haben. Mit Leichtigkeit hob das Wasser die Eisenkolosse
in Minutenschnelle um einige Meter an.
Eine Kanaldurchquerung fuer ein solches Riesenschiff soll an die 200.000U$
kosten. Toent nach einer Stange Geld. Doch wuerden die Schiffe um ganz Suedamerika
zu umfahren sicher 20 Tage benoetigen und kosten wuerde das an die 2 Millionen
U$. Ein Schiff, welches 200.000U$ fuer eine Durchquerung bezahlt, hat Fracht
im Wert von ungefaehr 9 Millionen U$ geladen, so dass dieser Betrag nur etwa
2% des Frachtwertes sind. Im Verhaeltnis gesehen ist es letztendlich also
doch nicht all zu teuer.
In Panama Stadt begab ich mich wieder einmal auf die Suche nach einer kostenlosen
Unterkunft. Auf meiner Suche sah ich das Buero von AFS Panama, der Austauschorganisation,
mit der ich in Ecuador weilte. Ich fragte fuer eine Gastfamilie. Die Organisation,
die immer sagt, wie weltoffen sie sei, hatte aber letztendlich doch keinen
Platz fuer mich.
Ich fuhr an einer Kirche vorbei und klopfte auch dort an die Tuer. Man soll
seinen Naechsten lieben, Gutes fuer die Menschen tun und einender helfen,
predigt man uns von der Kirchenkanzel herunter. Wenn ich nun aber bei eben
diesen fragen gehe, ob sie mir helfen koennten, dann heisst es, dass sie dies
leider heute gerade aus diesem und jenem Grund nicht koennen.
So fuehrte mich mein Weg ein weiteres Mal zur Feuerwehr. Wie selbstverstaendlich
wurden mir die Tueren geoeffnet. Ich konnte meine Kleider und mich selber
waschen und ich bekomme gratis und mit viel Herz drei Mahlzeiten am Tag!
Als ich gestern erst um 20Uhr ins Quartier kam, hatten sie mir mein Essen
extra zur Seite gestellt!
Wer ist hier also am weltoffensten? Wer am religioesesten? Die Austauschorganistationen?
Die Kirchen? Oder vielleicht sogar die Feuerwehr?
Schon oft hatte ich mir unterwegs gedacht, dass es doch unheimlich praktisch
waere, nicht immer in die Internetcafes gehen zu muessen, um einen Compi
brauchen zu koennen, so dass ich hier in Panama nach einem Labtop ausschau
hielt. Haette ich so ein Ding, wuerde ich mich auch oefters persoenlich bei
euch melden.
Gestern nun machte ich mich auf die Suche. Ich lief lief in ein Einkaufszentrum.
Beim Eingang gibt man zur Sicherheit seine Saecke und Taschen ab. So gab
ich meinen Plastiksack mit meinem Tagebuch drinn ab. Als ich nach 30min es
abholen wollte, war es weg. Wohl gestohlen. Ich wuetend. Suchte, fragte und
wurde immer nervoeser. Ein Tagebuch, wo ich Erinnerungen, Namen, Adressen,
Nummern - einfach mega viel drinn aufgeschrieben hatte - weg! Nach 1Std warten
rief ich die Polizei an, um den Jungs etwas Feuer unter dem Arsch zu machen.
Doch was ist fuer die ein simples Schulheft? Materiellen Wert hat dies ja
keinen. Doch fuer mich ist der Wert natuerlich enorm. So wartete ich ganz
vier Stunden dort in der Hoffnung etwas zu erfahren. Fotos von den Ueberwachungskameras
wurden ausgedruckt, wo natuerlich eh nichts zu sehen war. Nun, weg ist wohl
weg und der Dieb, der sich sicher Geld erhofft hatte, hat das fuer ihn wertlose
Heft an den Strassenrand geschmissen, wo der Regen es nun naesst und die
Hunde daranpissen werden.....
Was solls, ich aergere mich sehr. Doch das hilft leider auch nichts. Lust,
in diesem Laden nun auch noch etwas zu kaufen, habe ich nun auch keine mehr.
So fahre ich bald auf herkoemmliche Art und Weise weiter. Nur Tage werde
ich mich in Panama aufhalten, bevor ich schon nach Costa Rica fahren werde.
In Mittelamerika sind die Laender klein - und die Katastrophen scheinbar
gross. Ich bin gespannt was ich auf meinem Weg nach Norden von all den Hurrikanen
zu sehen bekomme. Am liebsten natuerlich nichts.
Gruss Chrigu
Panama Stadt, Panama